Bisphenol A – das legalisierte Gift

Der Kunstoff Polycarbonat ist in vielen Alltagsgegenständen enthalten, die mit Lebensmitteln in Berührung kommen. Er dient als Weichmacher und ist für die Flexibilität von Kunststoff verantwortlich. Grundstoff dieses Polycarbonats wiederum ist ein Stoff, welcher sich Bisphenol A nennt und sich im menschlichen und tierischen Körper anreichert, was fatale Folgen nach sich zieht.

Stoffe wie Bisphenol A, die in Lebensmittelbedarfsgegenständen aus Kunststoff zum Einsatz kommen, bedürfen einer entsprechenden Zulassung, die aufgrund einer Bewertung des vorhandenen Risikos für den Verbraucher erteilt oder verweigert wird. Die Richtlinien dieses Zulassungsverfahren, welches unter anderem auch den Höchstgehalt von Bisphenol A , bzw. dessen Übergang auf Lebensmittel regelt, soll der Sicherheit und Gesundheit des Verbrauchers dienen.

So wurde aus Gründen der Sicherheit und Vorsorge seit dem 01.06.2011 in Deutschland der Handel mit Säuglingstrinkflaschen, die Bisphenol A enthalten, verboten.

Aber wie sieht es denn mit anderen Alltagsgegenständen aus, die Lebensmittel enthalten oder mit ihnen regelmäßig in Berührung kommen?

Kann der Verbraucher sich da auf der sicheren Seite wähnen, da hier scheinbar das gesundheitliche Risiko als nicht ganz so hoch bewertet wird?

Wäre dieser Stoff wirklich so bedenklich, dann würde er doch auch in diesen Gegenständen verboten oder zumindest als bedenklich deklariert, damit der Verbraucher weiß, welche Folgen die Verwendung für ihn haben kann, oder?

Immerhin stehen ja auch auf jedem Zigarettenpäckchen neben eindrucksvoll abschreckenden Bildern einige Wörter über die gesundheitlichen Folgen des Zigarettenkonsums.

Und wird zumindest in Deutschland der Verbraucherschutz nicht ganz groß geschrieben?

Wie kommt denn dann Bisphenol A in den menschlichen Körper?

Untersuchungen zufolge nimmt der Mensch das Bisphenol A in erster Linie über die Nahrung auf. Da Bisphenol A in der Innenschicht zahlreicher Konservendosen enthalten ist, kann dieser Stoff unbemerkt in das enthaltene Lebensmittel übergehen. Denn sobald Bisphenol A mit Wasser in Berührung kommt, kann es sich aus seiner gebundenen Form lösen und somit freigesetzt werden. Je nach Herstellungsverfahren kommt es so zu mehr oder weniger hohen Werten im jeweiligen Doseninhalt. Chemische Messungen ergaben teilweise Werte von 5 bis 38 Mikrogramm Bisphenol A pro Kilogramm des in der Dose enthaltenen Lebensmittels.

Aber auch wer weder für sein Haustier noch für sich selbst Lebensmittel aus Konservendosen zu sich nimmt, geht nicht ganz leer aus, denn Bisphenol A wird von der Industrie in zahlreichen weiteren Kunststoffen verarbeitet, die Polycarbonat enthalten.

Welche Gegenstände und Materialien ebenfalls Bisphenol A enthalten

Ob Wasserkocher, Thermoskanne oder Plastikbehälter - sie alle können Bisphenol A enthalten. Selbst Kassenzettel (bis vor kurzem), Deckel von Marmeladegläsern oder anderen Schraubgläsern enthalten meistens Bisphenol A. Auch Mobiltelefone, Kabel, Farben und Lacke können Träger dieses, für den Menschen schädlichen Stoffes, sein.

Ganz makaber wird es, wenn gar medizinische Produkte, die sich im Mund der Verbraucher befinden, diesen nachweislich schädlichen Stoff enthalten. Dabei kann dieser sogenannte Weichmacher den Zahnschmelz schädigen. Trotzdem ist Bisphenol A oft Bestandteil von Klebern, die in zahnmedizinischen Produkten Verwendung finden.

Unser Leitungswasser, welches ja die Qualität von Trinkwasser besitzen soll, kann ebenfalls Bisphenol A enthalten, wenn mit Exposidharz beschichtete Rohre unsachgemäß saniert wurden. Das im Exposid vorhandene Bisphenol A kann so freigesetzt werden und ins Trinkwasser gelangen.

Verwendung findet BPA, wie die Abkürzung für Bisphenol A heißt, auch in weiteren medizinischen Produkten wie Implantaten, Brutapparaten für Neugeborene, Herz- Lungen-Maschinen und zahllosen weiteren Apparaturen und Produkten.

Die Liste kann schier endlos erweitert werden.....

Was bewirkt Bisphenol A im menschlichen Körper?

Bisphenol A wirkt bereits in kleinsten Mengen auf den Hormonhaushalt des Menschen ein. Denn es ist in der Lage, ähnliche Wirkungen wie das weibliche Sexualhormon Östrogen zu entfalten. So kann es zu Störungen im Hormonhaushalt, der Fortpflanzung, aber auch der embryonalen Entwicklung kommen.

Solche Umwelthormone können an entsprechende Rezeptoren im menschlichen oder tierischen Organismus binden, die für die eigenen Sexualhormone vorgesehen sind. Dadurch werden diese Rezeptoren aktiviert oder auch gehemmt, was wiederum Folgen für den gesamten Hormonhaushalt hat.

Untersuchungen mit Bisphenol A ergaben, dass sowohl Schilddrüsenhormone als auch männliche Sexualhormone in ihrer Wirkung gehemmt werden, während die Wirkung der weiblichen Sexualhormone verstärkt.

Bei Ratten und Mäusen konnte beobachtet werden, dass bereits niedrige Dosen von BPA nicht nur das Verhalten und Lernvermögen der unmittelbar betroffenen Tiere veränderten, sondern auch bei deren Nachkommen für Veränderungen der Hirnstrukturen sorgen konnte.

Eine beim Menschen entsprechende Beeinflussung der Gehirnentwicklung oder auch eine Beeinträchtigung der sexuellen Organentwicklung ist Studien zufolge mehr als nur wahrscheinlich.
Aber bekanntlich macht ja die Dosis erst das Gift, nicht wahr? Obwohl sowohl in der Homöopathie, die ja so oft verteufelt wird, als auch in der Schulmedizin die bekannte Wirkung vieler Hormone uns ja auch zeigt, dass wenig manchmal auch viel sein kann....

Wie sieht es also mit den zulässigen, schädlichen oder weniger schädlichen Konzentrationen von Bisphenol A aus?

Und wie kann der Verbraucher erfahren, ob gerade seine Dose, Flasche oder Kanne BPA enthält?

Wenn viel viel hilft, schadet dann wenig weniger?

Von Allergien, bei denen schon kleinste Mengen lebensbedrohliche Zustände auslösen können, einmal ganz abgesehen, gibt es doch eine Toleranzmenge eines Stoffes, der erst in größeren Konzentrationen für den menschlichen Körper bedenklich wäre. So etwa will man den Verbraucher in Sicherheit wiegen.

Beobachtungen aber von Männern, die mit der Verarbeitung von Bisphenol A zu tun haben und dadurch täglich mit BPA in Berührung kommen, zeigen sehr wohl eine Beeinträchtigung der sexuellen Potenz. Und das, obwohl diese Männer nur ca. 5 Prozent des von der EFSA als harmlos bezeichneten Gehaltes an BPA im Blut nachwiesen.

Ob und wie eine höhere BPA-Belastung schwangerer Frauen auch die spätere Verhaltensentwicklung ihres Kindes beeinflussen kann, ist ebenfalls nicht hinreichend geklärt. Und wenn Bisphenol A erstmals im Boden und unseren Gewässern Einzug gehalten hat, stellt sich doch die Frage, welche Auswirkungen das auf unsere Umwelt und die darin lebenden Tiere haben wird.

Diesbezügliche Untersuchungen an verschiedenen Tierarten haben eindeutig erwiesen, dass BPA bei ihnen ebenfalls für eine Beeinträchtigung der Sexualitätsentwicklung mit all ihren Folgen verantwortlich ist.

Die Risiken für Mensch, Tier und Umwelt sollten mittlerweile auch den Verantwortlichen der Verpackungs- und Plastikindustrie bekannt sein.

Doch anstatt nach Alternativen zu suchen, wie es uns andere Länder bereits erfolgreich vormachen, wurde hier erst einmal am zulässigen Grenzwert herumgeschraubt.

Immerhin: 2016 kam Bisphenol A auf die Liste der besonders besorgniserregenden Stoffe und wurde seit Januar 2020 für die Herstellung von Kassenbons aus Thermopapier verboten.
Aber was ist mit dem Verbot für die Lebensmittelverpackung?

Der BUND untersuchte die Belastung von unterschiedlichen Konserven und war angesichts der hohen Konzentration von Bisphenol A in den darin enthaltenen Lebensmitteln mehr als nur unangenehm überrascht.

Karin Michels, Wissenschaftlerin an der Uni Freiburg, untersuchte zahlreiche Urinproben auf Bisphenol A. Sie kennt die Gefahren und gesundheitlichen Folgen des Weichmachers und spricht sich für ein Verbot dieses Stoffes in Lebensmittelverpackungen aus.

Und was sagen Politik und Industrie dazu?

Auf der EU-Liste der gefährlichsten Chemikalien steht seit Anfang 2017 nun auch Bisphenol A. Wie kommt es aber, dass dies nicht ein sofortiges Verbot von Bisphenol A für Lebensmittelverpackungen nach sich zieht?

Das EU-Parlament forderte genau dies im Jahr 2016. Doch statt eines eindeutigen Verbotes des gefährlichen Weichmachers wurde lediglich der Grenzwert abgesenkt, der besagt, wieviel BPA in das jeweilige Lebensmittel übergehen darf.

Noch einmal in aller Deutlichkeit:

Nicht der Einsatz des giftigen Stoffes wurde verboten, sondern nur die zulässige Giftdosis herabgesetzt, ganz entsprechend des Kommissionsvorschlages, der bei einer Ablehnung seines Vorschlages zur Absetzung des Grenzwertes keine wünschenswerte Alternative in Aussicht stellte.

Laut "Plusminus" heißt es ebenfalls in einem gemeinsamen Schreiben der Verpackungs- und Chemie-Industrie: "Sollten die Parlamentsmitglieder nicht für eine Absenkung stimmen,, werden die erhöhten Werte weiterhin zu einem geringeren Schutzniveau für die menschliche Gesundheit und für Kleinkinder führen".

Was blieb den Parlamentsmitgliedern anderes übrig, als dem Kommissionsvorschlag zuzustimmen?

Soviel Druck seitens dieser Lobbyisten hatte das derart genötigte Parlament nichts entgegenzusetzen und so darf sich der Verbraucher vorerst nur über gesenkte Zulässigkeitswerte freuen.
Der Verbraucher darf also nur ein wenig und langsam vergiftet werden?

So liest sich dieser Beschluss wenigstens bei einem Großteil der Verbraucher, die nur noch fassungslos den Kopf schütteln können angesichts so viel Ignoranz und Verantwortungslosigkeit.
Denn Studien belegen die Gefährlichkeit gerade auch geringer Dosen von Bisphenol A für Kinder und Neugeborene.

So viel zum Vorsorgeprinzip hierzulande.

Und wie halten es denn andere Länder mit dem Verbraucherschutz hinsichtlich Bisphenol A?

Japan benutzt seit 20 Jahren anstelle dieser Weichmacher Ersatzstoffe, die nachweislich unbedenklich für Mensch, Tier und Umwelt sind.
Frankreich hat Bisphenol A für sämtliche Lebensmittelverpackungen seit 2015 verboten!

Doch in Deutschland ist der Verbraucher nicht sicher, wenn es heißt, ein Produkt sei frei von Bisphenol A. Denn dies besagt nicht, dass das Produkt gänzlich frei von Bisphenol sei. Es gibt nämlich noch zahlreiche weitere Bisphenole, die in Plastikflaschen und anderen Gegenständen des täglichen Gebrauchs enthalten sein dürfen. Auch diese weisen ähnliche gesundheitsschädigende Wirkungen auf.

Was kann der Verbraucher tun, um sich zu schützen?

Wie so oft, kann man dem Verbraucher nur raten, beim Einkauf die Augen offen und nach Alternativen Ausschau zu halten, was aber nicht leicht sein dürfte.

Sogenannte "Unverpacktläden" könnten eine solche Alternative sein, auf Konservendosen zu verzichten ist eine weitere Möglichkeit, die Gefahr der Kontamination zu reduzieren. Einmachgläser statt Plastikschüsseln und Glasflaschen statt Plastikflaschen zu bevorzugen, ist ebenfalls zu empfehlen.

Dennoch:

Die Politik lässt hier den Verbraucher gänzlich im Stich.

Und so wird es keiner vermeiden können, diesem allgegenwärtigen Weichmacher zu begegnen.

So muss der Verbraucher mal wieder eigenverantwortlich die Zügel für seine eigene Gesundheit in die Hand nehmen, was ja prinzipiell nichts Schlechtes ist.

Denn hier sind sie augenscheinlich sowieso besser aufgehoben!